„Tagsüber arbeiten, abends studieren“: Das macht auch Melina Zernig aus Steinbach. Im Rahmen der NNP-Serie schildert sie ihre Erfahrungen.

Hadamar-Steinbach. 

Nach dem Abitur an der Marienschule hatte Melina Zernig erst mal genug von Theorie und entschied sich für eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Obwohl sie die Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzte, schloss sie mit „Sehr gut“ ab. Sie wurde von der IHK als Ausbildungschampion geehrt und bekam ein Stipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für die nebenberufliche Weiterbildung. Von diesem Geld finanziert sie nun teilweise ihr betriebswirtschaftliches Fernstudium.

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„Dass ich mal solchen Ehrgeiz entwickeln würde, hätte ich nach der Schule selbst nicht geglaubt“, sagt Melina Zernig. „Aber während meiner Berufsausbildung schien es mir folgerichtig, es nicht bei der Industriekauffrau zu belassen.“ An der Fachschule für Wirtschaft (Wilhelm-Knapp-Schule) in Weilburg absolvierte sie ein dreieinhalbjähriges Studium zur staatlich geprüften Betriebswirtin. „In dieser Zeit entwickelte ich den Anspruch auf Topleistung und schloss vor wenigen Wochen auch mit Bestnote 1,0 ab“, blickt sie stolz zurück. Aber damit nicht genug: Schon während sie nebenberuflich dreimal pro Woche in Weilburg lernte, schrieb sie sich an der privaten Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) zu einem BWL-Fernstudium ein, das sie nächstes Jahr mit dem Bachelorabschluss beenden wird.

„Das Studium zur staatlichen geprüften Betriebswirtin war schwieriger und hatte viel mehr Stoff als das Fernstudium“, findet die 25-Jährige. Das habe sie sehr verwundert. Ein gewaltiger Unterschied liege natürlich in der Anwesenheitspflicht. Zweimal wöchentlich abends für drei Stunden plus den ganzen Samstagvormittag drückte die junge Frau aus Steinbach neben ihrem Vollzeitjob die Schulbank in Weilburg. Für das BWL-Fernstudium hingegen lernt sie zu Hause und fährt lediglich für die Klausuren in das an die Knapp-Schule angegliederte Studienzentrum.

„Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich die jahrelange Doppelbelastung von Beruf und Weiterbildung wohl nicht geschafft“, vermutet Melina Zernig. „Aber ich wohne noch bei den Eltern, werde bekocht, und meine Mama kümmert sich um Haushalt und Wäsche.“ Es habe trotzdem Phasen gegeben – insbesondere während der Prüfungszeiten – in denen sie hart an ihre eigenen Grenzen geriet. Immerhin waren es pro Semester ca. sieben Klausuren an der Fachschule, und für das Bachelor-Studium kamen nochmal zwei oder drei Prüfungsarbeiten hinzu.

Ihr Ausbildungsbetrieb bot für den angestrebten Karriereweg von Melina Zernig nicht die gewünschten Perspektiven, deshalb wechselte sie schon während des Studiums zu einem größeren Unternehmen, das ihr außerdem die berufsbegleitende Weiterbildung durch flexible Arbeitszeiten erleichtert. „Derzeit arbeite ich in der Exportabteilung. Aber ich würde gern später mal ins Controlling gehen, da hätte ich mehr Einflussmöglichkeiten, und Zahlen sind sowieso mein Ding“, hofft die bildungshungrige junge Frau für die Zukunft und hält es sogar für denkbar, noch einen Masterstudiengang anzuschließen.

Bewegung als Ausgleich

„Nach einem ganzen Tag am Schreibtisch oder in der Schule brauche ich Bewegung und frische Luft zum Ausgleich“, erzählt sie. „Dann steige ich gern aufs Mountainbike oder gehe ins Fitness-Studio. Damit kann ich viel effektiver Stress abbauen, als wenn ich mich aufs Sofa legen würde.“ Zu ihrem emotionalen Gleichgewicht trägt aber auch ein stabiler Freundeskreis bei. „Selbst wenn ich schon drei Treffen absagen musste, werde ich auch zum vierten Mal eingeladen“, freut sie sich. „In der Zeit an der Wilhelm-Knapp-Schule habe ich mich total wohlgefühlt“, schwärmt Melina Zernig. „Die Lehrer haben uns optimal gefördert und wir fanden ein offenes Ohr.“ Doch weiß sie auch das Fundament der Marienschule zu schätzen, denn dort habe sie Disziplin und das effiziente Lernen gelernt. kka

Quelle: http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Das-Bueffeln-hoert-nicht-auf;art680,2155810